Weiterbildung: Ein As im Ärmel

Sie gelten als Karriere-Treibstoff Nummer eins – Seminare und Kurse zur Fortbildung. Entsprechend beliebt sind bei Beschäftigten die Einrichtungen, die sie regelmäßig mit neuem Wissen verwöhnen.


von Klaus Heimann

Zwei Drittel aller deutschen Arbeitnehmer halten einer Umfrage zufolge die regelmäßige Weiterbildung für die wichtigste Maßnahme, um ihre eigene Karriere zu befördern. Doch wie eine im vergangenen April veröffentlichte Studie zeigt, zieht gerade einmal jede zehnte Führungskraft aus der Erwartungshaltung Konsequenzen und versteht sich als Karrierecoach. Beide Erhebungen, die Umfrage wie die Studie, hat die Trainer- und Beratungsfirma Rundstedt erstellen lassen. Im Blick hatte das Unternehmen dabei die Privatwirtschaft – nicht Wissenschaft und Hochschule.


Verlässliche Studien zum Weiterbildungshunger der Beschäftigten dort sucht man vergeblich, doch darf mit einiger Wahrscheinlichkeit angenommen werden: Auch Angestellte in Hochschule und Wissenschaft schätzen es nicht, über Jahre hinweg ohne fortbildende Kurse oder Seminare vor sich hin zu arbeiten. Dr. Thorsten Mundi, Geschäftsführer des Zentrums für Wissenschaftsmanagement in Speyer immerhin glaubt, dass Weiterbildung „aus der täglichen Personalarbeit nicht mehr wegzudenken“ sei. Sie wäre „bei einer Vielzahl von Wissenschaftseinrichtungen auch personell hinterlegt und in ganzheitliche Personalentwicklungskonzepte eingebunden“.


Tatsächlich ist die Weiterbildungspalette der öffentlichen Verwaltungen groß. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gibt es flankierend noch hochschulübergreifende Fortbildungsangebote – kurz HÜF. In Seminaren lernen die Teilnehmer dort etwa die Tücken des Tarifrechts kennen, und für Quereinsteiger gibt es Kurse mit dem Titel: Wie funktioniert eine Hochschule? Daneben sind Hochschulen selbst aktiv. An der TU Berlin etwa können die Beschäftigten das komplette Lehrangebot für persönliche Weiterbildung nutzen. Einzige Bedingung: Die Vorlesung oder der Workshop muss im dienstlichen Interesse sein, so regelt es eine Dienstvereinbarung.

Professor Dr. Josef Schrader, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung in Bonn, bestätigt, dass die Hochschulen ihren Beschäftigten im nichtwissenschaftlichen Bereich viele Weiterbildungsmöglichkeiten anbieten. Nur: „Strukturierte Angebote zur Weiterbildung für das wissenschaftliche Personal sind dagegen selten und werden zumeist nicht zentral koordiniert“, kritisiert Schrader. Nennenswerte Versuche habe es in den vergangenen Jahren lediglich bei der Ausbildung von Doktoranden gegeben.


Was Schrader bei seiner Einschätzung übersieht, sind die hochschuldidaktischen Zentren beziehungsweise Arbeitsstellen, die über die Jahre hinweg geschaffen wurden. Mehr als 70 von ihnen gibt es mittlerweile in Deutschland. Sie kümmern sich um die Vermittlungskompetenz der Lehrenden. Die Durchschlagskraft dieser Zentren sieht Prof. Dr. Peter Faulstich, Lehrstuhlinhaber für Erwachsenenbildung an der Uni Hamburg, skeptisch: „Die hochschuldidaktischen Zentren erreichen die Professoren kaum. Hier tummeln sich hauptsächlich die wissenschaftlichen Mitarbeiter, um ein zusätzliches Zertifikat zu erwerben.“


Stimmt diese Wahrnehmung, sticht die Weiterbildungskarte Didaktik vielleicht beim Mittelbau, nicht aber bei der Professorenschaft. Bei den Aus- und Fortbildungsangeboten im Wissenschaftsmanagement immerhin sieht es besser aus. Der Wissenschaftsrat stellte Mitte April in einem Positionspapier fest, dass sich das Studienangebot in diesem Feld derzeit „als knapp ausreichend“ darstellt, aber den künftigen Bedarf von Absolventen mit profunden Kenntnissen im Hochschul- und Wissenschaftsmanagement „kaum befriedigen“ könne. Es ist also sehr wohl auch in der Wissenschaft noch Luft nach oben bei der Führungskräfte-Schulung.


Dieser Artikel erschien im duz Karrier@LETTER 04/2014. Im Abonnement mit der duz - Deutsche Universitätszeitung oder als eigenständiges Abonnement erhältlich unter http://www.duz.de/abo/.


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